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MEDIUM REISEVORTRAG

MEHR ALS BUNTE BILDER AUF GROSSER LEINWAND-OFFEN BLEIBEN FÜR NEUES

 

 

Theoretisch könnten  Reisevorträge ein optisch-ästhetischer und inhaltlich-wertvoller 
Beitrag zur Unterhaltung und Weiterbildung sein. Man verfügt immerhin über ein
unabhängiges Live-Medium, um sich dem Publikum mit möglichst aktuellen, wahren Geschichten und Fotos  von seinen Reisen  mitzuteilen. Fernsehauftritte sind dagegen immer "Kompromissprodukte".
     Selbsterlebtes, kurzweilig, authentisch und humorvoll an die Frau und ihren Mann gebracht...theoretisch. Eine Ergänzung und Alternative zum Mainstream in TV, Radio und Büchern.
     So zumindest war meine naive Vorstellung vom Medium Reisevortrag im Jahre 1994, als ich meine ersten Afrika-Vorträge hielt. Hier möchte ich mal meine Wahrnehmung der Realität schildern und auch die Punkte nennen, die mir persönlich wichtig sind.

 

Wenn etwas besser werden soll, muss es anders werden.

                                                  Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), deutscher Schriftsteller

Die Frage ist mir so direkt noch nie gestellt worden, aber ich höre sie trotzdem bei vielen Telefonaten mit Veranstaltern. Ich höre sie meinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung förmlich durch den Kopf geistern. Zumindest beim Erstkontakt:“ Warum sollten wir dir, Hartmut Pönitz, den Termin für den Vortrag zum Thema XY geben und nicht einem deiner Mitbewerber, der das gleiche Thema hat?“ Die Frage ist berechtigt, aber auch nur wenn man davon ausgeht, dass eh alle gleich sind. Was ist wenn das nicht der Fall ist, sondern nur für die extrem breite Masse der "Reisefotografen" gilt? Was ist, wenn man einzelne, wertvolle Vorträge gar nicht kennt, weil einem als umtriebiger Veranstalter z.B. irgendwann die Zeit fehlt, um sich jeden Vortrag vorher selber mal anzuschauen, oder weil man von Referenten-
cliquen manipuliert wird oder weil man schlichtweg nicht die Notwendigkeit sieht an sich und seinem Programm zu arbeiten? Scheuklappendenken und pure Geld-und Karrieresucht gibt es auch, aber auch nicht nur, unter den "ach so weit gereisten Vortragsreferenten".
     2007 habe ich mir (auch im Freundes-& Familienkreis)  wegen meiner Auswanderung vom Ruhrgebiet nach Ruhpolding die Frage gestellt, ob es eigentlich noch Sinn macht weiter viel Zeit  zu investieren, um Reisevorträge von Kollegen bis an den Rand des Burnouts zu veranstalten. Schmerzlich musste ich mir eingestehen, dass es zu wenige pfiffige Vorträge gibt.
Das ist überwiegend seichter, vorhersehbarer, stereotyper Kram. Schade, eigentlich war das Veranstalten, bei allem Ärger, doch auch irgendwie schön.

 

Das Publikum will das doch so.

                                     
Lautet die Rechtfertigung vieler Kollegen- Veranstalter wie Referenten. Stimmt, manchmal habe ich auch den Eindruck, dass da auf´m Friedhof wieder einer vergessen hat die Gruft abzuschließen.
Bei 90% meiner Vorträge ist das aber nicht der Fall, da herrscht positive Stimmung im Saal, obwohl ich das Risiko eingehe eine eigene MEINUNG im Vortag zu äußern. Keine DEINUNG oder IHRUNG. Denn von Ihrung zu Irrung ist es gar nicht weit.
     Reibungsfläche ist bei mir vorhanden und trotzdem reagieren maximal 10% irritiert auf mich. Die können ja dann beim nächsten Mal wieder zum Kollegen vom "Bilder-Musikantenstadl" gehen. Warum gibt es eigentlich so viele Alkoholiker unter den Musikern der Schlager-und der Pseudo-Volksmusik? 
     Merkwürdig finde ich auch, dass vielen Kollegen klar ist, dass sie den Zuschauern eigene Bilder (von Fotos möchte ich gar nicht reden) zeigen müssen, wenn sie die hässlichen Städte mit ihren Plakaten 4 Wochen lang verschönert haben. Beim eigenen Text dagegen beschneiden sie sich freiwillig selbst.
 

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist,
immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

                                      Dietrich Bonhoeffer (1906-45) dt. Theologe und Widertsandskämpfer

 „Das würde ich besser weg lassen, das will das Publikum doch gar nicht hören.“ Oder der Spruch, der oft von TV-Verantwortlichen und Politikern kommt: „Man muss das Publikum da abholen, wo es steht.“ Viele Entscheidungsträger halten das Publikum offensichtlich für völlig debil und viele (NICHT ALLE!) Kollegen maßen sich an zu wissen, was das Publikum hören will. Potenziell 80 Mio. Menschen alleine in der BRD!  Wie viele davon gehen eigentlich zu Reisevorträgen? Diese Empfehlung mit dem „besser weg lassen“ kommt oft sogar von Kollegen, die meine Vorträge nicht mal kennen und meine jahrelange, überregionale Erfahrung mit „meinen“ Themen gar nicht haben! Interessant, oder?
 

In England ist das ganz anders


In England sind die Medienschaffenden auffallend couragierter, selbstironischer und kreativer. Eine Frage der Mentalität. Wer in England was riskiert und auf die Nase fällt wird dafür geachtet, dass er es probiert hat und die Power hat wieder aufzustehen. In Deutschland scheinen mir Viele u.a. völlig mutlos, weil sie die Häme der Anderen fürchten, selbst wenn die gar nicht kommt. Und wenn doch...na und? Die Typen stellen sich doch selbst ein Armutszeugnis aus.

Wer, wie ich, geschichtlich und politisch interessiert ist, Geologie studiert hat, immer mit Neugierde in ganz verschiedenen Vereinen Dinge ausprobiert hat, oft auf die Nase gefallen ist, sich immer wieder aufgerappelt hat und festgestellt hat, dass es immer weiter geht, der hat dann auch einfach mehr Lebenserfahrung und weniger Angst, sich mit einer eigenen Meinung aus dem Fenster zu lehnen. Der macht dann vielleicht aus einer Überzeugung heraus lebendigere  und anregendere Vorträge, als einer der krampfhaft versucht bloooooß
nirgendwo anzuecken. Schädlich ist der trockene Humor des Ruhrgebiets in dem Zusammenhang sicher auch nicht.
       Meiner Meinung nach kann man sich von den Engländern hier und da eine Scheibe abschneiden oder von deutschen Kleinkünstlern, die unumstritten 2 bis 3 Ligen weiter oben spielen.

Der verstorbene Fernsehmoderator Rudi Carrell erzählte mal in einem Interview, dass er
Ende der 60er bis Anfang der 70er regelmäßig, auch auf eigene Kosten, in die USA
geflogen sei, um von den damaligen Top-Show-Stars zu lernen, wie man es macht.
Er habe dort nie einen deutschen Kollegen getroffen! Auch die Amerikaner sagten,
er wäre der einzige Europäer, der immer wieder vorbeischaue.

 

Was war eher da? Ei oder Huhn, verschlafenes Publikum oder narkotisierender Selbstdarsteller?


Die Fernseh-Journalistin Luc Jochimsen hat zum Gejammer der TV-Leute über Quote und Konsumverhalten der Zuschauer sinngemäß mal Folgendes gesagt:"Das Fernsehen ist wie ein Drogendealer vor Gericht. Der Dealer versucht sich vor dem Richter herauszureden, indem er dem Käufer die Schuld in die Schuhe schiebt. Der wollte das doch, der hat mich immer wieder gefragt, ob er mir nicht was abkaufen könne." Klar, aber erst nachdem der Junkie vom Dealer abhängig gemacht wurde. So ist es auch mit niveaulosem und verlogenem Fernsehen und Reise-Vorträgen. Mehr Charakter (ich bleibe halt naiv!) würde ich mir wünschen, von allen Beteiligten, damit mehr inspirierte Reisevorträge entstehen. Das ginge aber nur mit mehr selbstkritischem Hinterfragen. Vielleicht wäre das auch ein Schritt hin zu wieder besser besuchten Veranstaltungen.
 

Ein überdurchschnittlich guter Vortrag erfordert überdurch- schnittlich viel Engagement


Im Übrigen versuche ich mir unterwegs in Sachen Reisefotografie Freiräume zu halten für´s Reisen und für die Fotografie. Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Muße spielt eine große Rolle, wenn man vor Ort den Motiven, der Zeit, dem Geld und der Karriere hinterherjagt. Muße, um Überraschendes, Ungeplantes aufnehmen zu können. Wer keinen Spielraum lässt für  Überraschungen, wer krampfhaft-diszipliniert seinen Vorgaben folgt....lassen wir das.

Tatsächlich reisen viele sogenannte Reisevortragskünstler doch gar nicht und was sie vor Ort mit ihren Kameras treiben ist, objektiv betrachtet, auch keine Fotografie im Sinne der Definition. Wer z.B. im Billigflieger nach Spanien fliegt, um im Leihauto 2 bis 3 Wochen durch die Gegend zu jagen, der rast nur Stationen ab. Zum Reisen, wie ich es verstehe, fehlt ihm die Muße. Wer in kurzer Zeit möglichst viele Motive reproduziert, die er schon zu Hause beim Betrachten von  Büchern oder im TV gesehen hat der gilt, laut Bruce Barnbaum (Die Kunst der Fotografie), maximal als „Fotokopierer“, als Fotograf erntet er bei „echten“ Fotografen nur mildes Lächeln.
Der Wille sich für Weiterbildungsmaßnahmen zu interessieren, in jedem "normalen Beruf" gelten sie als Grundlage für Weiterentwicklung, scheint mir in der Reisevortragsszene doch eher die Ausnahme als die Regel zu sein.

 

Noch mal: wenn etwas besser werden soll, muss es anders werden.

                                                 
Im Frühjahr 2014 habe ich mein letztes Buch Zeit für Cornwall gefertigt. Mit dem Verlag gab es wg. Bildauswahl und Texten reichliche Diskussionen, es war deprimierend. Autoren werden ausgenutzt als reine Rohstofflieferanten in Sachen Bild-und Textmaterial. Im Rahmen eines Telefonats fragte ich die Dame am anderen Ende schließlich:“ Wer von den 8 Personen in Ihrem Verlag, die für die Produktion des Buchs zuständig sind, das Sie doch zumindest laut Vertrag auch mit mir machen, war eigentlich in den letzten 10 Jahren mal in England?“    
      Antwort:“ Hundertprozentig weiß ich es nicht, aber möglicherweise keiner.“ Es werden also Bücher und auch Reise-Vorträge produziert, indem weitestgehend das kopiert wird, was man selber an Vorstellungen im Kopf hat, im Bücherregal oder im Fernsehen gesehen hat.

Ganz schwach, alarmierend schwach, wenn man das flache Niveau des öffentlichen Rundfunks in Deutschland im Vergleich zur englischen BBC erkennt. Dabei hat die BBC nur einen  Bruchteil der Gelder zur Verfügung mit denen ARD und ZDF versorgt werden, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden und uns zu unterhalten.

Live-Reisevorträge bieten die Chance diesem blutleeren Massen-Medium etwas Erfrischendes zur Seite zu stellen. Ich möchte mich als Vortragsreferent nicht  damit abfinden als Drittverwerter, als Wiederkäuer von stereotypen, langweiligen Fernsehbeiträgen mein Geld zu verdienen bzw. das Publikum bei den von mir „mitzementierten“ Klischees abzuholen.
     Jeder entscheidet selbst, was er tut. Mir ist das zu blöde. Es weiß doch jeder was herauskommt, wenn man von einem schwachen Original eine schlechte Kopie zieht, oder?

 

Meine Meinung: Tiefgang mit Humor, Klasse statt Masse.


Den Internetpräsenzen lässt sich ansehen, dass mancher Vortragende in 15 Jahren 10 Themen rausgehauen hat oder in 10 Jahren sogar 15 Themen. So schnell geht nur Schema Eff. Bloß nix falsch machen. Pointen, die sich schon Sekunden vorher deutlich abzeichnen, damit aber auch wirklich jeder kapiert worum es geht, sind nicht pfiffig.

Kann es sein, dass Sir Vival, Rüdiger Nehberg, der einzige Rock´n´ Roller der Szene ist? Rüdiger ist mittlerweile über 80 Jahre alt- ein langes Leben noch wünsche ich an dieser Stelle. Kann es sein, dass diese Tatsache alle unter 80 Jahre mal zum Nachdenken anregen sollte? Man muss doch gar keinen Rock´n´ Roll bieten, bis zum Musikantenstadl am anderen Ende der Skala gibt es schließlich noch reichlich Grautöne. Und selbst Musikantenstadl hat natürlich seine Existenzberechtigung. Aber zu viel Musikantenstadl und Schlagermusik stellen eben auch eine Art von Inzucht dar.




 

 
  Wir müssen einzigartig sein- eben alles, außer gewöhnlich! Denn wer sich ständig mit
         anderen vergleicht wird vor allem eines: gleicher.
         


                                                                  Anja Förster & Peter Kreuz, Bestseller-Autoren .